Moralischer Kompass
Mich beschäftigt immer wieder der Gedanke an Recht und Gerechtigkeit.
Was bedeutet für verschiedene Menschen “Richtig und Falsch”?
Anstoß zu diesen Gedanken ist viel zu oft der Kontakt mit Menschen, deren moralischer Kompass dicht am StGb angelehnt ist. Gesetze für ein Maßstab zwischen Recht und Unrecht, Richtig und Falsch zu gebrauchen, ist primitiv. Soviel ist klar. Aber wie dann? Warum habe ich bei einigen Menschen das Gefühl, sie hätten “begriffen” und bei anderen, dass sie gar nicht die kognitive Fähigkeit haben, etwas anderes als CDU zu wählen?
Und vielleicht am wichtigsten: Was ist mit mir? Kann ich Recht von Unrecht unterscheiden oder glaube ich das nur zu können?
Als ich für das Physikum gelernt habe, bin ich über die “Stufentheorie des moralischen Verhaltens” von Lawrence Kohlberg gestolpert. Ein geniales Modell.
Kohlberg postuliert, dass das menschliche Moralbewusstsein ein Stufenmodell mit 6 Stufen ist. Wir fangen auf der erste Stufe an und arbeiten uns hoch. Aber nicht jeder schafft es bis zur sechsten Stufe. Eher die wenigsten.
Also, finde dich selbst:
Die ersten beiden Stufen betreffen Kinder, einige Jugendliche und viele erwachsene Straftäter.
1. Stufe – Die Orientierung an Strafe und Gehorsam:
Kein Moralbewusstsein vorhanden. Es wird befolgt, was die Autorität befiehlt. Einzig und allein um der Strafe zu entgehen. Wunschbürger von Franz Josef Strauss.
2. Stufe – Die instrumentell-relativistische Orientierung:
Das handeln wird von Eigeninteressen bestimmt. “Was bringt mir am meisten?” Es kann aber auch mit Interessen anderer gehandelt und getauscht werden. Ebenso ist Rache für erlittenen Schaden selbstverständlich. Freier Markt der Egoisten, the American dream.
Auf den nächsten beiden Stufen kommt die Entwicklung eines Großteils der Erwachsenen zum Erliegen.
3. Stufe – Die interpersonale Konkordanz- oder „good boy/nice girl“-Orientierung:
Nicht nur um der Strafe zu entgehen, wird das eigene Verhalten den Erwartungen anderer (Bezugspersonen und Autoritäten) angepasst.Es werden Schuldgefühle empfunden, wenn Erwartungen enttäuscht werden. Junger Erwachsener auf den Spuren elterlicher Erwartungen.
4. Stufe – Die Orientierung an Gesetz und Ordnung:
Das Befolgen von Regeln wird als notwendig für das Funktionieren einer Gesellschaft anerkannt und verinnerlicht. Law and Order bestimmen was richtig ist. Sehr Deutsch, Ende der Entwicklung für den Großteil der Menschheit.
Soo, jetzt wirds tricky. Nur sehr wenige erreichen diese Stufen und erst nach dem 20. Lebensjahr. Die Postkonventionelle Ebene:
5. Stufe – Die legalistische Orientierung am Sozialvertrag:
Moralische Normen und Regeln werden hinterfragt und nur dann befolgt, wenn sie gut begründet werden. Der Gesellschaftsvertrag wird anerkannt und die Moral aus dem gezogen, was dem Wohle der Gemeinschaft dient. Gesetze können dafür gebrochen werden. Nur 20% der Erwachsenen entwickeln sich soweit. Sehr unbequemer Bürger. Jetzt kannst du kein Polizist mehr werden. Schade.
6. Stufe – Die Orientierung am universalen ethischen Prinzip:
Abstand von diffusen Ausrichtungen der Moral. Die Moral und Normen müssen begründet sein. Das eigene Verhalten ist ausgerichtet nach zwischenmenschlicher Achtung und Vernunft, allgemeine Gerechtigkeit und Wohl der Allgemeinheit. Nur 5% der Erwachsenen.
Na, hast du dich auch selbst gefunden?


