Der gelbe Fleck

Was andere übersehen, steht hier im Mittelpunkt.

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Moralischer Kompass

Mich beschäftigt immer wieder der Gedanke an Recht und Gerechtigkeit.
Was bedeutet für verschiedene Menschen “Richtig und Falsch”?
Anstoß zu diesen Gedanken ist viel zu oft der Kontakt mit Menschen, deren moralischer Kompass dicht am StGb angelehnt ist. Gesetze für ein Maßstab zwischen Recht und Unrecht, Richtig und Falsch zu gebrauchen, ist primitiv. Soviel ist klar. Aber wie dann? Warum habe ich bei einigen Menschen das Gefühl, sie hätten “begriffen” und bei anderen, dass sie gar nicht die kognitive Fähigkeit haben, etwas anderes als CDU zu wählen?

Und vielleicht am wichtigsten: Was ist mit mir? Kann ich Recht von Unrecht unterscheiden oder glaube ich das nur zu können?

Als ich für das Physikum gelernt habe, bin ich über die “Stufentheorie des moralischen Verhaltens” von Lawrence Kohlberg gestolpert. Ein geniales Modell. 
Kohlberg postuliert, dass das menschliche Moralbewusstsein ein Stufenmodell mit 6 Stufen ist. Wir fangen auf der erste Stufe an und arbeiten uns hoch. Aber nicht jeder schafft es bis zur sechsten Stufe. Eher die wenigsten.

Also, finde dich selbst:

Die ersten beiden Stufen betreffen Kinder, einige Jugendliche und viele erwachsene Straftäter. 

1. Stufe – Die Orientierung an Strafe und Gehorsam:
Kein Moralbewusstsein vorhanden. Es wird befolgt, was die Autorität befiehlt. Einzig und allein um der Strafe zu entgehen. Wunschbürger von Franz Josef Strauss.

2. Stufe – Die instrumentell-relativistische Orientierung:
Das handeln wird von Eigeninteressen bestimmt. “Was bringt mir am meisten?” Es kann aber auch mit Interessen anderer gehandelt und getauscht werden. Ebenso ist Rache für erlittenen Schaden selbstverständlich. Freier Markt der Egoisten,  the American dream.


Auf den nächsten beiden Stufen kommt die Entwicklung eines Großteils der Erwachsenen zum Erliegen.

3. Stufe – Die interpersonale Konkordanz- oder „good boy/nice girl“-Orientierung:
Nicht nur um der Strafe zu entgehen, wird das eigene Verhalten den Erwartungen anderer (Bezugspersonen und Autoritäten) angepasst.Es werden Schuldgefühle empfunden, wenn Erwartungen enttäuscht werden. Junger Erwachsener auf den Spuren elterlicher Erwartungen.

4. Stufe – Die Orientierung an Gesetz und Ordnung:
Das Befolgen von Regeln wird  als notwendig für das Funktionieren einer Gesellschaft anerkannt und verinnerlicht. Law and Order bestimmen was richtig ist. Sehr Deutsch, Ende der Entwicklung für den Großteil der Menschheit.


Soo, jetzt wirds tricky. Nur sehr wenige erreichen diese Stufen und erst nach dem 20. Lebensjahr. Die Postkonventionelle Ebene:

5. Stufe – Die legalistische Orientierung am Sozialvertrag:
Moralische Normen und Regeln werden hinterfragt und nur dann befolgt, wenn sie gut begründet werden. Der Gesellschaftsvertrag wird anerkannt und die Moral aus dem gezogen, was dem Wohle der Gemeinschaft dient. Gesetze können dafür gebrochen werden. Nur 20% der Erwachsenen entwickeln sich soweit. Sehr unbequemer Bürger. Jetzt kannst du kein Polizist mehr werden. Schade.

6. Stufe – Die Orientierung am universalen ethischen Prinzip:
Abstand von diffusen Ausrichtungen der Moral. Die Moral und Normen müssen begründet sein. Das eigene Verhalten ist ausgerichtet nach zwischenmenschlicher Achtung und Vernunft, allgemeine Gerechtigkeit und Wohl der Allgemeinheit. Nur 5% der Erwachsenen.
 

Na, hast du dich auch selbst gefunden?



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Filmstöckchen

Es trifft immer die Richtigen.
Ich wurde vom Filmstöckchen getroffen und finde jetzt mal die 40 Minuten Zeit, mich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Schon allein beim Lesen von ausgefüllten Fragebogen anderer habe ich die ganze Zeit überlegt, was ich antworten würde..

Jetzt tu ich das mal.

Ein Film, den du schon mehr als zehnmal gesehen hast?

Es gibt einige Filme, die ich bereits über zehn mal gesehen haben dürfte: Zurück in die Zukunft, V wie Vendetta, Rocky1-4, Ace Ventura1+2 und Woodstock.
Ich muss jedoch sagen, dass ich mir heute nicht mehr den selben Film mehr als 4-5 Mal ansehen würde, es gibt einfach noch soviel zu gucken.

Ein Film, den du mehrfach im Kino gesehen hast?

Das erinnert mich an lange vergessene Zeiten. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das je getan habe. Muss wohl lange vor Internet und DVD gewesen sein. Sollte ich vielleicht nochmal probieren.
Ich habe den ersten Teil von Herr der Ringe letztes Jahr im Kino gesehen. Nur um festzustellen, dass die Kinofassung einige Lichtjahre von der Genialität der Special Extended Edition entfernt ist.

Ein Schauspieler, wegen dem du eher geneigt wärst, einen Film zu sehen?

Da fällt mir jetzt Leonardo di Caprio sofort ein, er macht wirklich im Moment nur Must Sees. Aber auch Joseph Gordon Lewitt, Emile Hirsch, Natalie Portmann, Ewan McGregor, Johnny Depp, Sean Penn und Brad Pitt machen mich neugierig, wenn sie einen Film promoten.

Fairerweise müsste man jetzt auch die Regisseure nennen, die einen ins Kino treiben: Fatih Akin, David Fincher, Danny Boyle, Tarantino, Christopher Nolan, Darren Aronofsky und JJ Abrams sind die, deren Filme ich mir 100% ansehe. Egal worum es geht, ich will es sehen.

Ein Schauspieler, wegen dem du weniger geneigt wärst, einen Film zu sehen?

Es hat sich eingebrannt: Til Schweiger.
Und Regisseur: Michael Bay.

Ein Filmmusical, dessen Songtexte du komplett auswendig kannst?

Wer summt denn nicht mit, wenn West Side Story läuft?

Ein Film, bei dem du mitgesungen hast?

Ironischerweise war das wohl Rocky 4, als Apollo Creed in den Ring einläuft zu “Living in America” von James Brown.

Ein Film, den jeder gesehen haben sollte?

“Ich klage an”, ein deutscher Propagandafilm aus dem Jahre 1941. Den sollte jeder mal gesehen haben. Nicht weil er so gut ist, sondern weil er ein Musterbeispiel für einen Propaganda Film ist. Die Nazis haben mit diesem Film Werbung für den Mord an Kranken und Euthanasie betrieben, indem eine groteske Gerichtverhandlung stattfindet, wo eine aktive Sterbehilfe bei einer MS Patientin als das Beste für den Patienten dargestellt wird und ethsich alternativlos. In der ursprünglichen Fassung war das noch ein krankes Kind, aber das fand Goebbels etwas zu ehrlich. Ekelhafter Film. Wichtig, um das Medium Film zu verstehen. Kann man sich im Internet ansehen. Oder bei irgendeiner Behörde in Bonn mit einem Wissenschaftler zusammen..

Ein Film, den du besitzt?

Also meine Edelversion der Matrix Trilogie muss ich hervorheben. Mit 12 DVDs, in einer durchsichtigen Box in der eine kleine Neo Büste auf mich herabschaut. Die totale Merchandising Keule hat mich getroffen.

Ein Schauspieler, der seine Karriere nicht beim Film startete und der dich mit seinen schauspielerischen Leistungen positiv überrascht hat?

Will Smith

Schon mal einen Film in einem Drive-In gesehen?

Nein.

Schon mal in einem Kino geknutscht?

Ja.

Hast du jemals das Kino verlassen, weil der Film so schlecht war?

Das könnte mir nur in der Sneak passieren, da ich mich immer über die Filme vorher informiere. Und in die Sneak gehe ich sogut wie nie. Wahrscheinlich genau deswegen.
Aber einen Film, den ich zuhause ausgemacht habe, weil er so schlecht war: Keinohrhasen. Fragt nicht, warum ich ihn überhaupt angemacht habe.

Ein Film, der dich zum Weinen gebracht hat?

Also feuchte Augen habe ich öfters mal, vor allem bei türkischen Filmen. Bei amerikanischen Filmen kann ich zwar Lachen, Gespannt sein, Mitfühlen, Mitfiebern. Aber zum Weinen habe ich doch meist eine zu große Distanz zu den Figuren.
Richtig geheult habe ich bei “Das Leben ist Schön” von Roberto Benigni. Ich bin sehr anfällig für Vater-Sohn Geschichten. Hm..

Popcorn?

Ein Frevel. Gehört nur zu Kinobesuchen, wo das Gesprochene vernachlässigbar ist. Wie 2012 oder sowas. Aber dann süß.

Wie oft gehst du ins Kino?

Ziemlich häufig. Im Monat mindestens zweimal. Ich bin froh, dass es in Heidelberg soviele kleine Kinos gibt, da wird das nicht zur Routine.

Welchen Film hast du zuletzt im Kino gesehen?

Planet der Affen: Prevolution. Bin noch dabei die Affenrevolution aufzuarbeiten.

Dein Lieblingsgenre?

Ich sehe wirklich alles gerne, bis auf Liebeskomödien. Aber es ist schon etwas ganz besonderes, wenn man in eine gut ausgedachte Science Fiction Welt eintauchen kann. Von 2001 bis Matrix, das ist schon einmalig für Film und funktioniert etwas besser als Fantasy.

Der erste Film, den du im Kino gesehen hast?

Ich war 8. Und es war “Street Fighter”. Ich finds gut, dass mich das mal jemand gefragt hat.

Welchen Film hättest du lieber niemals gesehen?

Transformers 2. Die unterschiedliche Rezeption des Films im Freundeskreis war etwas anstrengend aufzulösen.

Der merkwürdigste Film, den du mochtest?

Ja, merkwürdig. Brazil ist definitiv merkwürdig und gleichzeitig einer der besten Filme, die ich je gesehen habe.

Der beängstigendste Film, den du je gesehen hast?

Zu dieser Emotion bin ich im Kino leider nicht (mehr) fähig. Ich glaube die Videospiele haben mich zu sehr abgehärtet. (Es waren die Hunde bei Resident Evil)

Der lustigste Film, den du je gesehen hast?

Ace Ventura, das bin ich jetzt meiner Jugend schuldig.

Danke an die lieben Freunde von intermoviesession und aloquence für das Stöckchen. Hier habt ihr es wieder.

1/3

Es ist nicht gemütlich am Boden des Kaninchenfells. Ich weiß nicht, wer auf die Idee kam, es sei so. Es ist grausam. 
Diese Frage ist so abgedroschen, dass man meint das Wort “abgedroschen” sei dafür erfunden worden: Was ist der Sinn meiner Existenz?
Moment, ich will die Frage umformulieren.
Was ist der verdammte Sinn meiner verdammten Existenz?

Ist es das Lachen? Das Lieben? Das Verändern? Alles nicht zufriedenstellend. So wie ich das sehe, ist das maximale was ein Menschenleben erreichen kann: ein Komma.  

Das Ablaufen der Trampelpfade von dutzenden Generationen vor dir kann es ja nicht sein. Kindheit, Schule, Universität, Arbeit, Familie, Kinder, Enkel, Tod.
Die Komplettlösung des Lebens ist einfach.
Die Schwierigkeit des Lebens ist, dass es zu den Dingen gehört, deren Ende nicht gleichbedeutend mit dem Ziel ist. Wer sieht schon im Tod denn Sinn seiner Existenz?
Und wenn er das so sieht, wird das keine lange Existenz sein.
Sollte man diese Leute am Ende sogar noch beneiden? Sie können immerhin für sich einen Punkt setzen.

Nein, das kann es nicht sein.

Stopp.

Abbruch.

Ich klettere wieder runter. 

Schön gemütlich.

„Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.
— Voltaire

Vorhersehbares

Jan Fleischhauer, laut Selbstdarstellung geläuterter Linker und SPON Kolumnist darf wieder seine Sicht der Welt verbreiten. Schöne Idee übrigens, seine Kolumne nach der Farbe seiner Seele zu benennen:

Der Schwarze Kanal vom 1.8.2011:

(…)

Stellen wir uns für einen Moment vor, der Attentäter hätte das Jugendlager der rechten Fortschrittspartei heimgesucht und im Netz eine Anklage gegen den Atomstaat hinterlassen. Würden wir nun Claudia Roth zur geistigen Brandstifterin erklären und den Atomausstieg in Frage stellen? Wohl kaum. Wir würden das Naheliegende tun und den Attentäter als da sehen, was er ist: ein verwirrter Geist, der sich eine Wahnwelt zusammengezimmert hat, die am Ende zum Massenmord führt.

(…)

 Ja, das schreibt er, und er meint es ernst.
Er findet dieses kleine Gedankenspiel tatsächlich plausibel. Er findet es ebenso unvorhersehbar, dass ein von europäischen Rechtspopulisten aufgepeitscher Mann einen Massenmord durchführt, wie wenn ein “Öko Terrorist” diesen durchführen würde, im Kampf gegen die Atomkraft. Aufgestachelt von den Hassreden einer Claudia Roth (?!!).

Hier die Schießspiele auf Muezzine und Minaretten, die Comics mit Türken als Feindbild, die schwarze Schaf-Plakate, die biologisch erklärte Minderwertigkeit anderer “Rassen”, der religiös begründete Herrschaftsanspruch über Europa, der kaum verschleierte Hass auf alles Fremde, der sich auch auf die Rhetorik der Wortführer niederschlägt, und und und. Und da die Anti-Atombewegung, deren Feindbild Konzerne, Politiker, der Schweinehund in uns allen und manchmal die Staatsgewalt ist. Und deren Wortführer weit entfernt sind von der menschenverachtenden Rhetorik der Rechtspopulisten. 

Tatsächlich lässt mich dieser Vergleich an der geistigen Gesundheit des Herrn Fleischhauer zweifeln. 

aus dem Leben

“Warum immer ich?”, flüsterte er vor sich hin. Als er es aussprach, bemerkte er, dass diese Worte gerade nicht passten. Aber er sprach sie aus, ohne darüber nachzudenken. Hätte er diesen Satz in einem Film gehört, dann hätte er sich geärgert. Über den Protagonisten des Films oder über den Autor, das konnte er nicht genau sagen. 
Jedenfalls schämte er sich jetzt ein wenig dafür. “Nur gut, dass das keiner gehört hat.” 
Er drückte seine Stirn gegen die angenehm kühle Scheibe seines Fensters, das hinaus auf die geschäftige Straße zeigte. Sein Blick fixierte die Menschen, bis sie aus seinem Sichtfeld und damit aus seinem Leben wieder verschwanden. Er empfand es als angenehm, dass er darüber keine Kontrolle hatte, wer blieb und wer ging. Er konnte nur beobachten. 

Es war ein schöner Samstagmorgen mit strahlendem Sonnenschein. Das stieß ihn ab. Die Scheibe, die ihn von den Menschen auf der Straße trennte, war ein Fenster in eine andere Welt. Er fühlte sich plötzlich, als würde er durch ein Teleskop sehen.

Er wandte sich ab.
Den Zettel, den er vorhin auf seinem Küchentisch fand, hatte er noch immer in der Hand. “Eine schöne Schrift.”, dachte er und machte sich dann selbst über diesen Gedanken lustig. Als ob das etwas bedeuten würde. 
“Bin Frühstück holen! Bis gleich! xxx” stand mit einer schwungvollen, weiblichen Schrift auf dem gelben Klebezettel. Er hatte ihn zwischen den Fingern gehalten, seitdem er aufgewacht und ihn gefunden hatte. Jetzt öffnete er die Finger aber der Zettel haftete an seinem Daumen. Es belustigte ihn. “Wie passend.”

Das Mädchen war hübsch, keine Frage. Aber sie war nicht die hübscheste, mit der er sich je getroffen hatte. Sie war intelligent, aber sie hatten nicht die intelligentesten Gespräche geführt, die er je erlebt hatte. 
Er sehnte sich nach der Zeit, als Superlative leichter zu vergeben und eine Entscheidungshilfe bei der Partnerwahl waren. Es war kompliziert geworden.

Begonnen hatte es eigentlich ganz einfach. Kennengelernt auf einer Party, wiedergesehen bei einem Treffen mit Freunden, ein nettes Date und ein zweites Date, das dort endet, wo jede Odyssee mal endet: im Bett. 
Doch als sie in der Nacht schlief, lag er wach daneben und konzentrierte sich auf ihren Atem. Er wollte den Augenblick festhalten, und weil das nicht ging, wenigstens keinen Moment verpassen. Sein Gesicht vergrub er dicht neben ihr im Kissen und lauschte, bis er irgendwann einschlief.

Jetzt stand er in seiner Küche und wartete auf die Frau, deren Nachnamen er zwar kannte, aber nicht schreiben konnte. 
Ihn beschlich das Gefühl auf einer Treppe eine Stufe übersprungen zu haben.

So kannte er das nicht. So kannte er sich selbst nicht. Man lernt jemanden kennen, trifft sich, lernt sich besser kennen und irgendwann entscheidet man, wie es weitergehen soll. Schema F.
Aber es gelang nicht. “Nicht alles lässt sich in ein Schema pressen”, stellte er leidvoll fest. Diese Entscheidung wollte jetzt getroffen werden.

Aber warum war das so schwer? 

Es nervte ihn, dass das Leben eine Einbahnstraße war, das keine Fehler verzeiht und keine zweiten Chancen verteilt. Er hielt nicht viel von Nietzsche.

Eigentlich machte er sich diese “Entscheidungsmöglichkeit” nur vor. Wenn er sie jetzt traf, stand auch das Ergebnis schon fest. Er wollte mit ihr sein. Sie sollte nicht gehen. Er gab auf.
Seine Laune besserte sich etwas. 

Die Tür ging plötzlich auf. Er hatte nicht bemerkt, dass sie sich die Hausschlüssel mitgenommen hatte. 

Er lächelte.

Sie lächelte zurück.

Die BILD erscheint am 3. Juni 1967 nach den Krawallen am 2. Juni um den Besuch vom Schah von Persien mit dieser Schlagzeile. Ein Bild von einem blutenden Polizisten und kein Wort von Benno Ohnesorg. Nach den bis dato nie gesehenen Gewaltexzessen der Polizei gegen die Studentenbewegung.
Diese unfassbar manipulative, verdrehte, böse Art der Berichterstattung hat etwas gruseliges an sich:
“Seht her Leute, hier wird ein publizistisches Monster geboren.”

Ein Stück Geschichte.

Nachruf

Eigentlich bin ich euch dankbar. 
Zweifellos habt ihr meine Leidenschaft fürs Kochen entfacht. Ihr kleinen Tütchen von Maggi und Knorr, mit diesen Appetit anregenden Bildchen.
Noch vor einigen Jahren war das der interessanteste Gang im Supermarkt für mich. Einfach mal den Blick schweifen lassen über das gesamte Maggi-Fix Angebot und sich inspirieren lassen. Schließlich war das trotzdem echtes Kochen. Nur mit AimBot quasi, damit man auch die Geschmacksnerven trifft. 
Irgendwann will man natürlich mehr.
Man hört von Leuten, die ein ungarisches Gulasch oder Züricher Geschnetzeltes auch ohne dieses magische Pulver aus der Tüte zubereiten können. Und hält es zunächst für ein Gerücht.
Aber ungefähr zu dem Zeitpunkt, als ich den Unterschied von Rosmarin und Thymian kennenlernte, lernte ich mich auch von eurem Joch der Fertigmischungen zu emanzipieren. “Ach das wird ja auch ohne Pulver irgendwann sämig!”, war eindeutig ein wichtiger “Aha-Moment” meines Lebens. 
Endlich Geschmäcker genießen und zubereiten jenseits der Labor-Kochkunst.
Abgeschrieben hatte ich euch eigentlich nicht. Nur vergessen.

Heute habe ich mich jedoch erinnert und aus Zeitmangel eine Knorr Kartoffelsuppe zubereitet.
Der Geschmack klebt mir immernoch auf der Zunge wie ein geschmolzener Autoreifen. Das Glutamat hat mir Kopfschmerzen verpasst.
Ich konnte es nicht ganz aufessen und schüttete es weg.

Mein Spülbeckensieb zeigt mir gnadenlos den Nährwert.

Jetzt habt ihr Hausverbot.

Chomsky über Intellektuelles

Ein Intellektueller zu sein, ist eine Berufung für jedermann: es bedeutet, den eigenen Verstand zu gebrauchen, um Angelegenheiten voranzubringen, die für die Menschheit wichtig sind. Einige Leute sind privilegiert, mächtig und gewöhnlich konformistisch genug, um ihren Weg in die Öffentlichkeit zu nehmen. Das macht sie keineswegs intellektueller als einen Taxifahrer, der zufällig über die gleichen Dinge nachdenkt und das möglicherweise klüger und weniger oberflächlich als sie. Denn das ist eine Frage der Macht.

—Noam Chomsky, 2002, Chefanarchist und Professor am MIT. Seines Zeichens größter Geist, der noch unter uns weilt.

Prüfungsstress

1.       Phase: „ Ach verdammt, das ist doch kein Leben!“ Es sind nur noch einige wenige Tage bis zur Prüfung, für die ich schon seit Tagen oder Wochen lerne. Alles andere, was das Leben lebenswert macht, muss darunter leiden. Kurz vor Schluss bricht sich die Unzufriedenheit mit diesem Dahinvegetieren im kalten Licht des Monitors Bahn.
Die erste Phase des Prüfungsstresses beginnt genau hier. Alles wird in Zweifel gezogen. Ich glaube, dass man der manischen Depression hier am nächsten kommt. Die Gedanken schwanken zwischen „Bald ist es ja vorbei!“ und „Warum tu‘ ich mir den ganzen Scheiß an?“.
Hilft nix. Dranbleiben und weitermachen.

2.       Phase: 5 vor 12. Der Abend und die Nacht vor der Prüfung. Eigentlich der schlimmste Moment. Bin ich gut vorbereitet? Nochmal im Kopf einige Dinge durchgehen und es fallen einem doch noch Lücken auf.
Man könnte ja noch etwas tun, etwas nachlesen.. Diese Möglichkeit schafft eine große Unruhe im Kopf und der Schlaf wird dementsprechend ausfallen.
Ein Königreich für einen geruhsamen Schlaf vor einer Prüfung!

3.       Phase: der Morgen. Schon wesentlich leichter zu ertragen. Jetzt kann man ja eh nichts mehr ändern. Also kann man wie ein Verurteilter auf dem Weg zum Henker seinem Schicksal ergeben in die Uni schlurfen. Wenn da nicht dieser nervöse Darm wäre.
Überhaupt besteht für mich der Morgen der Prüfung überwiegend aus Körperfunktionen-Management. Ein dunkles Kapitel.

4.       Phase: Ah, es geht los. Das Blatt liegt vor mir, ich drehe es rum, überfliege die Fragen. Das erste was geschieht: Panik.
Jedesmal ist es dasselbe: Wenn ich die Fragen überfliege, kann ich mir nicht vorstellen die Aufgaben jemals lösen zu können. Aber ich trickse meinen Fluchtinstinkt aus: Ich bleibe sitzen und fange einfach an. HA!
Das hat bisher immer gut geklappt, also einfach drauflos schreiben.

5.       Phase: und die letzte. Der erste Elan ist verpufft, so ca. nach einer Stunde. Ich blicke auf die Uhr an der Hörsaalwand und sehe, dass die Hälfte der Zeit vorbei ist. Dabei muss ich die Augen zusammenkneifen, weil das Starren auf die Papiere vor mir auf die Linsen geht.  

Aber ich mache mir keine Sorgen mehr.
Jetzt beginnen die Ferien.

Bekannt

Du lernst jemanden kennen.

Er erscheint dir auf dem ersten Blick sympathisch und ihr beginnt ein Gespräch.

Schnell kommt man auf die ernsteren Themen zu sprechen: Studium, Beruf, Politik, das tagesaktuelle Geschehen. Und du musst deinen anfänglichen Eindruck korrigieren. Und den Menschen vergessen. 
Man sagt ja, dass der erste Eindruck zählt. Irgendwie scheint das zu stimmen, denn es ist jedesmal ein trauriger Moment, wenn du dir selbst deine Fehleinschätzung eingestehen musst.
Du hast versagt, deine Menschenkenntnis hat dich getäuscht.

Viel einfacher ist es wenn dir der Typ schon von Beginn an “komisch” vorkommt.
Du triumphierst: “Ein Arschloch! Wusst ich’s doch!”

Und wenn er es schafft, dir zu beweisen, dass er eigentlich doch kein Arschloch ist, wird er dennoch immer diesen Makel des ersten Eindrucks tragen müssen. Es ist schwer, vielleicht sogar unmöglich den loszuwerden.

Brothers/Sheridan

Ein Traumcast: Jake GyllenhaalTobey Maguire und Natalie Portman spielen in Brothers ganz groß auf. Dabei hat jeder der drei seine eigenen Minuten, in der man Schauspielkunst auf höchstem Niveau bestaunen darf. Aber diese Schauspielkunst hat einen Haken: Die Betonung liegt auf Kunst. 
Das Over-acting kann ja seinen Reiz haben, aber sicher nicht in einem Film, der mit beiden Beinen in der Realität stehen sollte.

Die Geschichte von Brothers hat das Zeug zu einem grandiosem Drama. Die komplizierte Beziehung zwischen Vätern und Söhnen, ein Liebesdreieck, und noch dazu die Leiden von Kriegsveteranen ist Stoff für ein ruhiges aber verstörendes Werk.

Aber was kommt dabei raus? Ein völlig durchgestyltes Drama, das man kein Gramm Authentizität abkauft. Hier sieht man, was das Problem von Hollywood ist. Und warum in den letzten Jahren alle ernsthaften Dramen ausserhalb von LA produziert werden.

Es funktioniert einfach nicht. 

6/10

Nebenbei: Tobey Maguires Synchronstimme ist eigentlich die selbe wie Jake Gyllenhaals. Jake hat hier kurzerhand eine neue bekommen. Spidey darf seine Stimme behalten, Prince of Persia muss weichen. 

Gute alte Zeit.

Mensch. Früher hatte man noch Ideale. 
Ich habe gerade den Anfangspost von meinem ersten Blog gelesen und der las sich so:

Thema ist: Deutschland. Vor allem der drohende Rechtsruck der Bevölkerung, der von Medien wie FAZ und BILD forciert wird. 

Ein paar grundlegende Sachen vorneweg: Jedes Blog hat schließlich seine Grundsätze. Idealerweise die gleichen Grundsätze wie sein/e Verfasser/in. Also so sieht es aus bei uns:
  • Ablehnung jeglicher Art des Nationalismus und der Ausgrenzung von Minderheiten
  • Ablehung von Islamophobie und Antisemitismus
  • Freiheit für jeden Menschen in Deutschland - für die Privatsphäre
  • Anerkennung der 68er als die Generation, die Deutschland lebenswert gemacht haben
  • Ablehnung jeglicher Art von Geschichtsrevisionismus von seiten der Konservativen
  • Der Glaube, dass gesellschaftliche Probleme nur mit Fachmännern gelöst werden kann (nicht mit Ideologen und sicher nicht mit Populisten)
  • Der Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit der Masse
  • Der Glaube an die Demokratie mit der Vorraussetzung: denkender Mensch

Ich möchte mich sicher nicht von diesem Idealismus verabschieden, habe mich aber für eine subversivere Art des Schreibens entschieden. Der Glaube ans Wort hat sich nicht verändert.

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